Wir werden ein gutes Online-Angebot aufbauen - Interview mit Michael Kutzner, SGL Organisation und Controlling im Personalamt der Landkreisverwaltung des Saalekreises

Fast die Hälfte der Deutschen wünscht sich nach aktuellen Umfragen mehr digitale Services im Alltag. Ab 2022 schreibt das der Gesetzgeber für die öffentliche Verwaltung auch vor. Wie ist der Stand der Dinge im Saalekreis? Der RegDigi-Medienservice befragte Michael Kutzner, Sachgebietsleiter Organisation und Controlling im Personalamt der Landkreisverwaltung des Saalekreises.

Welche Rolle spielt Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung im Saalekreis?

Generell versuchen wir unsere Arbeitsabläufe fortlaufend zu optimieren. Dazu gehört auch die Nutzung digitaler Möglichkeiten. Der Begriff Digitalisierung ist sehr weit gefasst. Im Zuge der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes konzentrieren wir uns in der Kreisverwaltung Saalekreis auf zwei Schwerpunkte – die zunehmende Automatisierung manueller Arbeitsabläufe durch Optimierung von Technik- und Softwareausstattung und den Aufbau eines regionalen ServicePortals, über das künftig alle Verwaltungsleistungen – und gern auch weitere Dienstleistungen von Trägern der Daseinsvorsorge – digital zugänglich gemacht werden sollen. Beide Schwerpunkte sind zentrale Themen unserer Verwaltung.

Welchen Nutzen ziehen die Bürger aus dem Projekt Open Government?

Im Zuge des Open Government-Projektes ist das ServicePortal entstanden. Hierüber kann die vollständige Kommunikation zwischen Bürger bzw. Unternehmen und Verwaltung stattfinden. Das Nutzenpotenzial ist vielfältig. Antragstellerinnen und Antragsteller können Verwaltungsdienstleistungen unabhängig von Ort und Zeit online in Anspruch nehmen. Wege und Wartezeiten fallen weg. Sie haben mehr Transparenz über den Bearbeitungsstand zu ihrem Antrag. Bearbeitungszeiten und Liegezeiten könnten sich durch die angestrebte Optimierung unserer Arbeitsabläufe in einigen Bereichen verkürzen. Bescheide und andere wichtige Unterlagen können über einen bestimmten Zeitraum im ServicePortal abgerufen werden. Jeder Nutzer hat einen individuellen Zugang zu seinem Bereich. Diesen kann er nach seinen Bedürfnissen anpassen. Am Ende hängt der tatsächliche Nutzen von jedem selbst ab. Der Weg zur Verwaltung wird weiterhin möglich sein. Die Nutzung des ServicePortals ist ein ergänzendes Angebot.

Wie treibt die Arbeitsgemeinschaft „Onlinezugangsgesetz“ diesen Prozess voran?

Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen, die zum Onlinezugangsgesetz aktiv sind und das über mehrere Ebenen hinweg. Deshalb ist es wichtig, sich gut untereinander zu vernetzen und abzustimmen.  Für den Landkreis Saalekreis sind darüber hinaus weitere Faktoren wichtig.

1. Zentrale Bausteine des Landes nutzen und aktiv mitgestalten. Nur so kann die notwendige Einheitlichkeit gewahrt und sichergestellt werden, dass die Interessen und Erfahrungen der kommunalen Ebene in den Umsetzungsprozess einfließen. Hier bringen wir uns als Landkreis mit verschiedenen Pilotprojekten in den Gestaltungsprozess ein.

2. Den Zusammenschluss auf kommunaler Ebene forcieren. Wir sprechen von mehreren hundert Onlinediensten, die wir über das ServicePortal anbieten wollen. Dazu sollten sich die jeweiligen Landkreise, Gemeinden (einschl. Verbandsgemeinden) und übrige relevante Institutionen gut untereinander abstimmen, um die bestmögliche Qualität zu erreichen und Doppelarbeiten zu vermeiden. Hier suchen wir den aktiven Austausch zu den Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern über bestehende Arbeitskreise und Institutionen, bspw. den Landkreistag oder das Regionale Digitalisierungszentrum.

3. Die eigenen Prozesse überdenken und online zur Verfügung stellen. Wir arbeiten innerhalb des Landkreises und mit unseren Softwareanbietern an der konkreten Umsetzung von Online-Diensten. Hier bauen wir die Lösungen, die letztlich Bürgern und Unternehmen auf dem ServicePortal zur Verfügung gestellt werden sollen. Das können Anträge auf Ausstellung einer Genehmigung oder Erbringung einer Leistung sein oder Anmeldungen zu Kursen der Musikschulen oder Kreisvolkshochschulen.

Wie geht es 2020 weiter?

Gerade die Corona-Pandemie, die für alle aktuell ein Schwerpunkt der Bearbeitung darstellt, zeigt, dass digitale Lösungen stärker als bisher in den Fokus gestellt werden müssen. Wir arbeiten weiter an dem ServicePortal. Die notwendigen zentralen Bausteine wie Online-Bezahlfunktion und Online-Legitimation (Anmeldung über elektronischen Personalausweis) müssen vom Land zentral bereit gestellt werden. Auf kommunaler Ebene werden wir ein gutes Online-Angebot aufbauen. Dazu werden wir uns in 2020 auf die Online-Dienste konzentrieren, die häufig von Bürgern und Unternehmen nachgefragt und in Anspruch genommen werden. In den Folgejahren sollen dann immer mehr Antragsmöglichkeiten hinzukommen.